Wein


Deutschland

Deutsche Weine haben im Vergleich zu weinanbauenden südlichen Ländern sehr individuelle Eigenschaften: eine fruchtige, pikante Säure, dezente Süße, ausgeprägte Duft- und Geschmacksstoffe und ein oft ausgewogenes und harmonisches Bukett (das Bukett ist das Zusammenwirken von Duftstoffen, der Blume, und Geschmacksstoffen, dem Aroma). Die Böden feinrassiger und pikanter Weine sind aus Schiefer. Herzhafte und kraftvolle Weine wachsen auf Muschelkalk-Böden, gehaltvolle, bukettreiche Weine auf Löß/Lehm-Böden. Auf vulkanischem Gestein gedeien wuchtige, feurige Weine. Unterschiedliche Zusammensetzungen der im Boden enthaltenen Nähr- und Mineralstoffe prägen diese unterschiedlichen Wein-Charaktere.

Weine benötigen viel Licht, Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit, die optimal über die ganze Reifeperiode verteilt sein muss, da sich die Rebe mit wertvollen Mineralstoffen des Bodens versorgt, damit sich in den Beeren die vielfältigsten Duft- und Geschmacksstoffe bilden können. Das deutsche Klima bietet einen feuchten, nicht zu heißen Sommer und einen anhaltend warmen Winter. Nach Süden gerichtete Hänge bekommen intensive Sonneneinstrahlung. Böden und Flusstäler haben eine wärmespeichernde Wirkung, Höhenzüge sind windabweisend, Tau und Nebel verhindern herbstlichen frostverhindernd.


Rebfläche:


105000 Hektar


Weinproduktion:


8-12 Millionen Hektoliter


Häufig angebaute Rebsorten:


Riesling (weiß, 20,1%), Müller-Thurgau (weiß, 19,7%), Blauer Portugieser (rot, 7,4%), Spätburgunder (rot, 7,4%), Silvaner (weiß, 7,3%), Dornfelder (rot, 6%), Kerner (weiß, 5,7%), Trollinger (rot, 3,6%), Bacchus (weiß, 2,6%), Scheurebe (weiß, 2,2%)


Anbaugebiete:


Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstrasse, Mittelrhein, Mosel-Saar-Rufer, Nahe, Rheingau, Rheinhessen, Pfalz, Würtenberg, Saale-Unstrut, Sachsen


Güteklassen:

Deutscher Tafelwein
muss ausschließlich aus Weintrauben bestehen, die im Inland geerntet wurden und darf nur von den zugelassenen Rebsorten stammen. Der natürliche Mindestalkoholgehalt (Mostgewicht) beträgt 5% Vol. (44 Grad Öchsle), in Baden 6% Vol. Der Gesamtalkoholgehalt muss 8,5% Vol. bis maximal 15% Vol. betragen, die Gesamtsäure bei mindestens 4,5g pro Liter liegen.

Deutscher Landwein
ist eine stets trockene oder halbtrockene, gehobene Stufe des Tafelweins. Das Gebiet, aus dem die Trauben stammen, muss auf dem Etikett angegeben sein. Der natürliche Mindestalkoholgehalt muss mindestens 0,5% Vol. (4 Grad Öchsle) höher liegen als bei einfachen Tafelweinen. Konzentrierter Traubenmost darf nicht zugesetzt werden.

Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (b. A.)
darf nur aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete stammen. Die verwendeten Weintrauben müssen ausschließlich der zugelassenen Rebsorte Vitis vinifera entsprechen. Für jeden Qualitätswein sind untere Grenzwerte des natürlichen Alkoholgehalts festgelegt. Das Mindestmostgewicht liegt je nach Gebiet zwischen 50 und 72 Grad Öchsle. Qualitätsweine b. A. dürfen nur in einem gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen angereichert werden, wobei durch die Anreicherung (Chaptalisation) nur 20-28g zusätzlicher Alkohol entstehen dürfen.

Qualitätswein
(siehe Riesling Hochgewächs unter Typenweine)

Qualitätswein mit Prädikat
darf nicht angereichert werden. Je nach Reifegrad und zusätzlichen Bedingungen werden diese Weine mit einem von sechs Prädikaten ausgezeichnet, das auf dem Etikett stehen muss. Diese Prädikate sind:

1. Kabinett

Feine, leichte Weine aus reifen Trauben mit geringem Alkoholgehalt (73-76 Grad Öchsle).

2. Spätlese

Reife, elegante Weine mit feiner Frucht, die frühestens sieben Tage nach Beginn der allgemeinen Weinlese geerntet werden (85-90 Grad Öchsle).

3. Auslese

Edle Weine aus vollreifen Trauben, unreife Beeren werden ausgesondert (100 Grad Öchsle).

4. Beerenauslese

Volle fruchtige Weine aus überreifen, edelfaulen Beeren, die bereits Raritäten sind, da der Botrytispilz mit zur Qualität beiträgt und solche Weine nicht in jedem Weinjahrgang geerntet werden können. Beerenauslesen sind über Jahrzehnte lagerfähig (125 Grad Öchsle).

5. Trockenbeerenauslese

Aus rosinenartig eingeschrumpften, edelfaulen Beeren ist die Trockenbeerenauslese das Oberste der Qualitätspyramide. Süß und honigartig ist sie von extremer Alterungsfähigkeit über viele Jahrzehnte (150 Grad Öchsle).

6. Eiswein

Eiswein ist aus Trauben, bei denen das gleiche Mindestmostgewicht wie bei einer Beerenauslese erreicht wurde und die nur in gefrorenem Zustand unter minus 7 Grad Celsius gelesen und gefroren gekeltert werden. Auf diese Weise presst man nur das Fruchtkonzentrat aus (125 Grad Öchsle).

7. Typenweine
Zu den Qualitätsweinen mit Prädikat gehören auch die Typenweine. Dabei handelt es sich um Weine, bei denen durch entsprechende Standardisierung von Mostgewicht, Säure und Restzuckergehalt versucht wird, ein gleichmäßiges Geschmacksprofil zu erreichen. Es gibt fünf verschiedene Arten von Typenweinen:

- Riesling Hochgewächs

bestehen ausschließlich aus Rieslingtrauben mit einem um mindestens 1,5% Vol. (ca. 10 Grad Öchsle) über dem vorgeschriebenen natürlichen Mindestalkoholgehalt liegenden Mostgewicht. Sie sind von hoher Qualität und tragen oft die Zusatzbezeichnung Qualitätswein.

- Moseltaler

ist Qualitätswein der Rebsorten Riesling, Müller-Thurgau, Elbling oder Kerner (ohne Rebsortenangabe) mit einem Restzuckergehalt von 15-30g pro Liter bei mindestebs 7g Säure pro Liter.

- Liebfrau(en)milch

ist lieblicher Qualitätswein aus den Rebsorten Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau oder Kerner (ohne Rebsortenangabe) aus den Anbaugebieten Pfalz, Rheinhessen, Rheingau und Nahe.

- Classic

gibt es seit dem Jahr 2001. Classic-Weine enthalten maximal 15g Restzucker pro Liter. Ihre Herkunft ist nach ihrem Anbaugebiet definiert. Die Rebsorten werden streng und gebietstypisch ausgewählt und das Mindestmostgewicht liegt um 1% Vol. über dem Mindestmostgewicht der jeweiligen Rebsorte. Bei Classic-Weinen ist keine Leseart und es ist kein bestimmter Hektarertrag vorgeschrieben. Der Ertrag ist auf die Traubenmenge festgelegt. Der Gesamtalkoholgehalt muss mind. 12% Vol. betragen und die Geschmacksrichtung ist als international trocken definiert (Restzucker = Säure x 2, max. 15g pro Liter). Das Classic-Profil wird amtlich geprüft. Die Etikettierung muss die Bezeichnung Qualitätswein b.A. sowie den Jahrgang und in Verbindung mit dem Begriff Classic die Rebsorte angeben (Ausnahme: Trollinger mit Lemberger).

- Selektion (Spitzenwein)

ist ebenfalls seit 2001 auf dem Markt. Seine Qualitätssicherungs- und Kontrollmaßnahmen beginnen schon vor der amtlichen Prüfung im Weinberg. Die Selektion-Parzellen müssen bei den Behörden bis zum ersten Mai des Jahres angemeldet und gekennzeichnet sein. Die Herkunft von Spitzenweinen ist nach Einzellage definiert. Rebsorten werden gebietstypisch streng ausgewählt. Der vorgeschriebene Hektarertrag liegt bei 60hl/ha und die Handlese ist Pflicht. Das Mindestmostgewicht muss bei 90 Grad Öchsle bzw. bei dem Auslesemostgewicht liegen. Der Gesamtalkoholgehalt muss mindestens 12% Vol. betragen und die Geschmacksrichtung ist ebenfalls festgelegt. Der Restzuckergehalt darf bei maximal 12g pro Liter liegen. Auf dem Etikett muss Qualitätswein b.A. stehen, außerdem der Jahrgang, die Angabe der Rebsorte, der Einzellage und den Begriff trocken. Der Wein muss bis zum ersten September des dem Erntejahr folgenden Jahres in den Verkauf gehen. Er darf nicht länger gelagert werden.


Kennzeichnung deutscher Weine:

Hochwertige deutsche Weine werden am Flaschenhals mit Papierbändern gekennzeichnet, die gelb (9g Restzucker/l, trocken), grün (bis 18g Restzucker/l, halbtrocken) oder rot (über 45g Restzucker/L, lieblich bis süß) sind.