Destillate aus Pflanzen


Rum

Ron (spanisch/portugiesisch), Rhum (französisch) oder Rum (deutsch/englisch) gibt es in seiner einfachsten Form seit dem 16. Jahrhundert. Dieses Aquadente de cana (wörtlich übersetzt: brennendes Wasser aus Zucker) wird aus dem Saft des frischen Zuckerrohrs, Zuckerrohrsirup oder Melasse destilliert. Melasse ist ein Nebenprodukt, das bei der Umwandlung von rohem Zuckerrohrsaft in raffinierten Zucker entsteht.

Es gibt über 3000 Rum Destillerien in der Welt. Die westindischen Inseln stellen qualitativ sehr hochwertige Produkte her. Weitere Produktionsländer sind die Große Antillen (Cuba, Jamaika, Dominikanische Republik, Puerto Rico), die kleinen Antillen (St. Kitts, Antigua, Guadeloupe, Dominica, Martinique, Barbados, Grenada), Südamerika (Trinidad, Venezuela, Guyana, Nicaragua, Costa Rica), USA, Mexiko, Philippinen, Madagaskar und La Réunion. International marktführend ist Rum der Firma Bacardi aus Puerto Rico, während die größte Destillerie der Welt, die in Cuba ansässig ist und ehemals Bacardi gehörte, heute im Besitz von Havana Club ist.


Basis:

Rum und Cachaca verdanken ihre Existenz der Zuckerrohr-Pflanze. Der Rohstoff Zuckerrohr ist eine kultivierte Form dieses Süßgrases, einer Staude, die ein Höhe von bis zu sieben Metern erreichen kann. Ihre 2-7cm dicken Halme sind von einem weißen Mark gefüllt, das den Zuckergehalt von 13-20% erreicht. Da es bezüglich der Herstellung von Rum keine verbindlichen Vorgaben gibt, machen sich Abweichungen der Einzelprodukte bemerkbar.

Die meisten Rums entstehen aus fermentierter Melasse, Zuckerrohrsirup oder –Saft. Selten ist auch reifes gelbes Zuckerrohr seine Basis (meist bei Rum aus Martinique und Guadeloupe). In manchen Fällen wird Rum außerdem aus anderen Nebenprodukten der Zuckergewinnung hergestellt, so aus dem abgeschöpften Schaum von Heizkesseln in der Zuckerrohrbehandlung.

Zucker aus Zuckerrohr zu gewinnen war in den Anfängen ein zwar einfacher, aber anstrengender Prozess. Zuerst mussten die Stängel gepresst werden, um den Saft zu erhalten, dem oftmals Limettensaft beigegeben wurde. Dann wurde dieses Saftgemisch gekocht und in Tongefäße gefüllt, in denen sich der Zucker im Verlauf mehrerer Wochen kristallisierte. Durch Löcher in den Böden der Gefäße entrann die Flüssigkeit, Zuckkristalle zurück lassend. Man zerbrach die Tongefässe dann, um den dunklen getrockneten Zucker zu gewinnen und zu anschließend zu verkaufe. In dickflüssiger Form übrig geblieben war die braune Substanz Melaza (vom spanien Wort Miel für Honig abgeleitet). Das englische Wort für dieses Neben- oder Abfallprodukt war Molasses. Sie wurde als Düngemittel oder Viehnahrung eingesetzt. Bis heute stellt man Zucker nach einem ähnlichen Verfahren her, allerdings maschinell.


Herstellung:

Im 17. Jahrhundert setzte man erste Destillationstechniken zur Herstellung von Rum ein. Rohe zuckerreiche Melasse wurde mit Hefe, destilliertem Wasser und Mineralien versetzt, um Mash zu erhalten. Dieses Gemisch vergor in einem Zeitraum von 24 Stunden bis zu drei Wochen. Je kürzer, desto leichter der Rum, je länger, desto körperreicher und dunkler das Ergebnis. Denn während des Gärens entsteht aus der Reaktion der Hefe Ester. Umso länger der Mash fermentiert, desto höher konzentriert sich der Esteranteil, der für eine fruchtige Note der Spirituose sorgt. Für die Art der Destillation dieser fermentierten Melasse gibt es keine fest gelegten Vorschriften. Darum kann Rum einfach, zweifach oder dreifach destilliert werden. Vor der Gärung wird der mit Wasser verdünnten Melasse
der Schaum, der sich beim Sieden des Zuckerrohrsafts an der Oberfläche absetzt, zugesetzt (Skimming). Außerdem wird ihr Dunder untergemischt, ein alkoholfreier Rückstand aus dem Destilliergerät, bestehend aus Hefe, Bakterien und Säuren. Leichte Rums entstehen meist durch kontinuierliche Destillation im Column Still mit anschliessender Filtierung. Schwere Rums haben zumeist die Pot Still Technik durchlaufen, die Geschmackstoffe intensiviert. Abschließend kann Karamell oder unvergorene Melasse zur Geschmacksabrundung beigegeben werden.


Fassart, Lagerung, Verschnitt:

Als die Rumproduktion sich in den späten 60er Jahren des 17. Jahrhunderts etablierte, reifte die Spirituose unbeabsichtigter Weise in Fässern, die in den Docks auf ihre Verschiffung warteten. Im Zielland angekommen erachtete man diesen Rum gegeüber ungereiften Varianten als schmackhafter. Dies mag daran gelegen haben, dass Säuren sich während des Reifens mit Alkohol zu Estern verbinden, sich der Geschmack verfeinert und der Alkoholgehalt durch Verflüchtigung leicht absinkt. Der bewußte Umgang mit Reifeprozessen erzielte alsbald Profit.

Blieb die Spirituose ein Jahr oder weniger im Fass oder Stahlcontainer, so sprach man von leichtem Rum, der mit klaren, weißen oder silbernen Etiketten versehen wurde. Dunkler Rum reift mindestens drei, meist fünf Jahre oder länger, wobei Anejos ihr Alter datieren und als Blends mehrerer hervorragender Zuckerrohrlesen hochwertigste Qualität gewährleisten. Das angegebene Alter ist immer das des jüngsten Bestandteils. Da manche Hersteller ungereiftem Rum Zuckercouleur beimischen, damit er dunkel aussieht, darf nur wirklich gereifter Rum als Dark Rum etikettiert werden. Die Produkte reifen oft in ausgebrannten Eichenholzfässern. Ausgebrannt deshalb, weil Kohle der Abwendung von unerwünschten Gerüchen dient und den Geschmack von Rum unterstützt. Einige Hersteller erzielen mit Verwendung bis zu 15 Jahre alter Cognac-, Bourbon-, Scotch- oder Sherryfässer eine andere Komplexität ihres Rums. Nach Abschluss des Alterungsprozesses beginnt das Verschneiden der einzelnen Rum-Produkte.


Geschichte des Zuckerrohrs:

Die Nachweise des Wachstums von Zuckerrohr reichen in Indien ins 4. Jahrhundert zurück. Dort wurde die Pflanze damals im Handel mit den Arabern als Luxusware, Heil- und Stärkungsmittel angepriesen. Schließlich gelangte sie über den Orient in den Mittelmeerraum. Für diesen Import war angeblich Alexander der Grosse verantwortlich.

Den Ägyptern verdankt man die frühen Erntetechniken, die im Mittelalter und während der Renaissance zum europäischen Standard wurden. Man erhoffte sich von der Kultivierung des wertvollen Guts Zucker den Erfolg spanischer Eroberungen und gab das mediterrane Süßgras dem gebürtigen Italiener, Christopher Columbus, im 15. Jahrhundert als Währung mit auf seine Reisen, die der Ausweitung des spanischen Imperiums dienen sollten. Von Andalusien über die Kanaren zu den Westindischen Inseln segelnd ging er 1492 auf der Bahamas Insel San Salvador an Land, um diese für das Königreich Spanien zu beanspruchen. In seinem Irrglauben, in Indien angekommen zu sein, benannte er die dortige Inselgruppe als the Indies. Bei seiner zweiten Reise erreichte er die heutige Dominikanische Republik und Haiti. Mitgebrachte Zuckerrohrstecklinge bewiesen dort perfekte klimatische Bedingungen für das Wachstum der Pflanze. Die Zuckerindustrie der Inseln enstand und wuchs rasant. Spanier, Engländer, Franzosen, Portugiesen und Holländer gründeten Plantagen in der heute als Karibik bezeichneten Inselgruppe und in Südamerika. Barbados, Antiqua und Tobago wurden wie viele weitere Inseln fast komplett entwaldet, um neue Felder für den Anbau von Zuckerrohr zu gewinnen (und sich über Besitzansprüche zu streiten).

Heute sind Indien und Brasilien die größten Zuckerrohranbaugebiete der Welt.


Entstehung des Names Rum:

Der Name Rum mag Erinnerungen an Piraten, Seemänner oder an das koloniale Amerika wecken. Seine Ursprünge findet man in verschiedenen Kulturen. So brauten südostasische Malaien vor tausenden von Jahren ein auf Zuckerrohr basierendes Getränk namens Brum. Manche Stimmen behaupten allerdings, dass dieses Getränk in Barbados entsanden sei, nicht in Südostasien. Holländische Siedler, die in Barbados Zuckerrohr anpflanzen und daraus Alkohol gewannen, kannten die Sitte ihrer zur See fahrenden Landsleute, mit großen Trinkgefäßen namens Rummer (von roemer/roem = lobpreisen) zu reisen. Diese Seemänner füllten ihre Rummer mit Brum, was die Entwicklung des späteren Namens beeinflusst haben kann.

In der englischen Sprache wird der tropische Zuckerrohrdrink erstmals 1651 erwähnt, 25 Jahre nachdem sich die ersten englischen Siedler auf Barbados (damals Barbadoes) niedergelassen hatten. Ein Manuskript von 1676 erwähnt ein alkoholisches Getränk namens Rumbullion (von rumbustion, was soviel wie der große Tumult bedeutet). Außerdem gibt es die Theorie, dass der Name Rum vom spanischen Ron abstammt, zumal die Spanier die ersten waren, die Rum in ihren karibischen Kolonien zu destillieren begannen. Dass der Name seinen Ursprung auch im lateinischen Wort für Zucker, Saccharum finden würde oder im französischen Wort Arome für Aroma, wie zum Teil behauptet wird, erscheint vergleichsweise unplausibel. Welchen Ursprungs auch immer, die Bezeichnung Rum integrierte sich schnell in die Umgangssprache englischer Siedler.

Die älteste amerikanische Rum-Referenz stellt ein Gesetz des General Court Massachusetts vom Mai 1657 dar, das den Verkauf starker Alkoholika verbot. „Whether knowne by the name of rumme, strong water, wine, brandy, etc.“


Kolonialzeit und Sklavenhandel:

Der Legende nach schlug die erste Stunde des Rums, als ein durstiger Sklave einen Löffel in einen Behälter übrig gebliebener Zuckerrohrmelasse tauchte, die mehrere Wochen in der heißen Sonne gestanden hatte. Mit etwas Regenwasser vermischt und vergoren war diese Brühe der erste grobe Rohrum.

Anfangs tranken hauptsächlich Sklaven diese vergorene Melasse. Als jedoch Plantagenbesitzer das Potenzial des so genannten Aquardiente wahrnahmen, versuchten sie, es mittels raffinierter Destillationstechniken für den europäischen Markt zu veredeln. Die Herstellung von Rum ging Hand in Hand mit der Zuckerraffinerie. Bald produzierte fast jede Plantage beides. Aber beide Industrien waren so mühsam, dass man in der Karibik bald zusätzliche Arbeiter benötigte. Daraufhin verkauften die Briten hunderttausende von Westafrikanern als Sklaven. Dieser diskriminierende Menschenhandel riss über mehr als zwei Jahrzehnte nicht ab. Als die Explosion des Rumgeschäftes die Briten und Franzosen jedoch Einbußen der Verkäufe einheimischer Spirituosen (Gin, Brandy) befürchten liess, stoppten sie den Import der Produkte ihrer Kolonien. Rum wurde nun verstärkt zu den neuen britischen Kolonien in Nordamerika verschifft, die er im Sturm eroberte. 1664 eröffnete die erste Brennerei in Staten Island, New York, drei Jahre später die zweite in Boston. Die Rum-Gier der Neuengländer eröffnete nun das neue Zentrum des Sklavenhandels. Nach Südafrika exportierter Rum würde zur der Währung, mit der man sich weitere Arbeiter erkaufte (Triangle Trade).

Da der Zuckerhandel sehr profitabel für die neuen Kolonien war, besteuerten die Briten ihn im Jahre 1733 (Molasses Act). Sie schieben gleichsam vor, dass die Kolonien lediglich Zuckerrohr der Britischen Kolonien verarbeiten durften. Damit war der Handel mit Frankreich, Holland und Spanien gebannt. Dies war insbesondere für die Franzosen von Nachteil, die bisher Melasse an britische Kolonisten verkauft hatten, zumal der Export ins eigene Land zum Schutz einheimischer Spirituosen
bis ins 19. Jahrhundert untersagt blieb. Für New England ergaben sich durch das Gesetz finanzielle Nachteile, die Wut und Verärgerung der Bevölkerung nach sich zogen, was sich später zu Zeiten der Amerikanischen Revolution bemerkbar machte. Die amerikanische Rum-Industrie störte sich an den Steuern dagegen wenig. Es entstanden immer mehr Brennereien, die im Triangle Trade Menschen gegen Rum tauschten. Bis ins 18. Jahrhundert hinein kontrollierten die Verkäufer des hoch gehandelten Rhode Island Rums bis zu 90% des amerikanischen Handels mit afrikanischen Sklaven. 1807 wurde der Menschenhandel endlich gesetzlich verboten, so dass die Rum Produktion in Amerika zurückging. Westliche Siedler begannen Getreide anzubauen, aus dem man bald Whisky zu destillieren begann. Als sich Whisky als neuer American spirit durchsetzte, nahm die Rum-Nachfrage so stark ab, dass sich das Zentrum der Rum-Produktion gen Süden verlagerte, dorthin, wo Zuckerrohr wuchs: auf die westindischen Inseln.

Zur dieser Zeit der Veränderungen des Zuckermarktes entwickelte Franz Archand 1787 ein Verfahren, das es möglich machte, Zucker von Saccharose zu extrahieren. Ausserdem machte er die Entdeckung, wie Zucker aus jeder Pflanze, die ihn enthielt, zu gewinnen war. Zucker der Zuckerrübe stellte sich dank dieser neuen Techniken als guter Ersatz für den Zucker der Zuckerrohrpflanze heraus. Außerdem war die Zuckerrübe leichter zu bewirtschaften und Europäer mussten fortan nicht mehr auf Zucker der Karibik warten. Den Inseln konzentrierten sich nun nur noch auf die Rum Produktion. Auf den spanischen Kolonien Cuba und Puerto Rico, der britischen Insel Jamaika und der französischen Insel Martinique entwickelte man ausgereifte Destillationstechniken.

Zu Zeiten der Prohibition interessierten sich die Amerikaner dann plötzlich wieder für den fast vergessenen, vom Whisky abgelösten Rum. Schiffe und Flugzeuge chauffierten abendteuerlustige, trinkfreudige, amerikanische Touristen von Florida in karibische Paradiese. Insbesondere in Havana, der baldigen Partyhauptstadt durstiger Amerikaner, soff und feierte man freizügig. Gleichzeitig blühte der hoch organisierte Schmuggel von Rum insbesondere an New Jerseys Küsten. Die Küstenwache der USA war mit der Menge der Rum Runner überfordert.


Die Britische Marine und der Grog:

Als die königliche Flotte 1655 die Insel Jamaika eroberte, lernten britische Seemänner Rum kennen. Es war Usus, dass allen Männer, die der Flotte dienten, eine tägliche Ration Alkohol bekamen. Ursprünglich entsprach sie einem halben Pint Bier, später der gleichen Menge Brandy. Als die Briten Jamaika und andere karibische Inseln einnahmen, war jedoch Rum zugänglicher als alle anderen Spirituosen. Doch die Trunkenheit der Seemänner veranlasste die Anführer fast zur Beendigung der Verabreichung der Rationen, hätten die Seemänner sich nich dagegen aufgelehnt. Das Dilemma blieb ungelöst, bis Admiral Edward Vernon 1740 den Kompromiss verschlug, Rum mittels der Zugabe von Wasser alkoholisch zu mildern und ihn den Matrosen nur unter stärkster Kontrolle zu verabreichen. Jene, die gute Arbeit leisteten, gewährte er bisweilen die schmackhafte Beigabe von Limettensaft und Zucker. Die verärgerten Arbeiter schimpften den neuen Drink Grog, da der Admiral, der ihren Rum fortan verwässerte, den Spitznamen Old Grog trug (abgeleitet von seinem Mantel, der aus Groggram geschneidert war: aus Seide, Mohair und Wolle). Admiral Edward Vernon war dennoch stolz, das Problem der Marine scheinbar gelöst zu haben. Auch war er es, der mit dieser seiner Mixtur den ersten Rum Cocktail kreierte.

65 Jahre später bekam Grog den Namen eines anderen Admirals. Der Tod des Lord Nelson in der Schlacht von Trafalgar (1805) machte das Getränk als Nelson´s Blood bekannt. Einer Legende nach sei der Leichnam des Lords während der Verschiffung nach England in ein Fass Rum eingelegt gewesen. Heute bezeichnet der Name Nelson´s Blood einen Champagnercocktail.

Die Tradition, Seemännern portionierten Rum zu verabreichen, hielt sich bis ins 20. Jahrhundert. Speziell für diesen Zweck wurde ausschliesslich für die königliche britische Marine auf den Britischen Virgin Islands Pussers Rum hergestellt. Dessen Name stammt aus einer Verfälschung der Berufsbezeichnung Purser, dem Zahl- und Proviantmeister. 1970 befand jedoch der britische Marineausschuss, dass für Rum in der modernen Marine kein Platz mehr sei. So endete am 31. Juli 1970 eine der ältesten Traditionen der Seefahrt. Charles Tobias ließ 1979 Pusser´s Rum dennoch wieder aufleben. Er entlockte dem Vorstand der Marine mit viel Überredungskunst die Rezeptur dieses Rums, um mit der kommerziellen Vermarktung der einst eigens für die königliche Flotte destillierten Spirituose fortzufahren. Immerhin erhält der Royal Navy Sailor´s Fund bis heute anteilig an jeder verkauften Flasche Spendengelder.


Heutige Rum-Trends:

Seit Ende der 60er Jahre dominieren die Rumindustrie wenige große Brennereien. Das seit den 80er Jahren wachsende Interesse an ultra Premium Spirituosen steigerte die Nachfrage besonders hochwertiger, lange gereifter Rums. Man hat gelernt, hochwertigen Rum wie Cognac zu genießen. Viele Elemente der neuen edlen Rum-Generation kommen aus Venezuela, Nicaragua und Guatemala. Puerto Ricos Bacardi und Catain Morgan, die zwei erfolgreichsten Marken der USA, haben marktwirtschaftlich eine starke Macht. Französischer Rum aus Martinique wird heute zum Reifen und Verschneiden
nach Bordeaux verschifft. Dort wird er unter französischer Schirmherrschaft auf international hoch angesehene AOC Qualitätsstandards geprüft (Appellation d´Orgine Contrôlée). Der Kampf zwischen der Regierung von Martinique und der französischen Regierung um den Erwerb dieses AOC-Standards dauerte 15 Jahre. Seither gelten strenge Gesetze für Martiniques Rumproduzenten, die sich auf die Herstellung und Kultivierung von Zuckerrohr, die Sortenreinheit der Pflanze wie die Methoden der Extraktion ihres Saftes, auf Gär- und Destillationsprozesse, auf die Lagerung und Alterung des Produktes beziehen.

Seit einiger Zeit ist aromatisierten Rum im Trend, der mittlerweile in fast allen Rum produzierenden Ländern hergestellt wird, indem man die Spirituose mit Früchten, Nüssen, Gewürzen, Vanille u.v.m.
geschmacklich verändert. Bekannte aromatisierte Rumsorten sind z.B. Bacardi Coco, Bacardi Vaníla, Bacardi Razz, Bacardi Limón, Bacardi O (Orange), Captain Morgan original Spiced, Captain Morgan Parrot Bay Coconut Rum, Charbay Tahitian Vanilla Bean Rum, Clarkes Court Spicy Rum, Cruzan Pineapple, Cruzan Coconut, Cruzan Banana, Cruzan Vanilla, Flor de Cana Limón Lemon Flavored Rum, Malibu Carribeam Rum Coconut Flavor (siehe Liköre), Ronrico Pineapple Coconut, Ronrico Vanilla, Ronrico Citrus, Whaler´s Vanille, Whaler´s Killer Coconut, Whaler´s Pineapple Paradise oder Whaler´s Big Island Banana Rum.


Charaktere:

Leichte Rums kommen meist von den Bahamas, Barbados, Cuba, Puerto Rico und aus Trinidad. Leichte bis mittelschwere Rums finden ihren Ursprung in Europa, Mexiko, den niederländischen Antillen, in dem nördlichen Südamerika und in den Philippinen. Mittelschwere bis schwere Rums produziert die Dominikanische Republik. Schwere stammen aus Jamaika, Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique, Haiti, Mauritius, Reunion und Madagaskar. Die British Virgin Islands und Guyana sind für schwere wie leichte, raue Rumsorten bekannt.


Alkoholgehalt:

Rum kann in verschiedenen alkoholischen Stärken verkauft werden. Bei brasilianischem Rum liegt der Wert bei 38-54% Vol., während in Chile und Venezuela ein Minimum von 40% Vol. üblich ist, in Kolumbien sogar 50% Vol. Anforderungen an das Alter und die Reifezeit variieren ebenso. In Mexiko reift Rum mindestens acht Monate, in der Dominikanischen Republik ein Jahr, in Venezuela und Peru zwei Jahre. Bezeichnungen wie Anejo können demnach verschiedene Bedeutungen haben, abhängig vom Ursprungsland des Rums.


Arten und Etikettierung:

Als wäre der Hintergrund der verschiedenen Altersbezeichnungen von Rum noch nicht verwirrend genug, variieren je nach Land auch seine Kategorien. In Argentinien gibt es Rum als white, gold, light und extra light. Aus Barbados kommen white, overproof und matured (gereifte) Rums. In Brasilien klassifiziert man die Spirituose mit den Begriffen light, heavy oder aged. Mexikanischer Rum ist entweder aged, reserved oder flavored, Peruanischer ist amber oder white. Ohne allgemeingültige Definition steht Panschereien nichts im Wege, wie sie der deutsche Rum-Verschnitt representiert, der lediglich 5% Rum enthält und mit Korn bzw. Neutralspirit aufgefüllt wird.


Begriffe:

Original Rum

ist ein importiertes Erzeugnis, dass im Inland nicht mehr verändert wurde (meist 72-74 Vol. Alkohol).

Echter Rum
ist ein auf Trinkstärke herabgesetzter Original Rum (38-54% Vol.).

Rum-Verschnitt
ist eine Mischung von Rum mit Alkohol anderer Art (37,5% Vol.).

Medium Rum
ist ein mit Gewürzstoffen versetzter Original Rum.

Flavoured Rum, Heavy Bodied Rum und High Continental Rum

sind mit Geschmacksbeigaben versetzte Original Rums.

Demerara Rum und Navy Rum
sind Sammelbezeichnungen für sehr dunklen, aromatischen Rum aus Guyana und Westindien.

Rhum Agricole
ist Rum, den erstmals französische Kolonialisten auf Martinique aus frischen Zuckerrohr statt Melasse destillierten. Ihm gegenüber steht der Rhum industriel, der aus fermentierter Melasse hergestellt wurde und wird.


Markenprofile bekannter Marken:

Bacardi

Obwohl Bacardi in Puerto Rico produziert wird, liegen seine Wurzeln in Cuba. 1843 emigrierte der katalonische Don Facundo Bacari Massó von Spanien nach Santiago de Cuba. Zu dieser Zeit war Rum als Getränk für mittellose Arbeiter stark, unverschnitten, grob und rudimentär destilliert, also das Gegenteil von den feinen Spirituosen Europas. Don Facundo begann mit verschiedenen Destillationstechniken zu experimentieren. Er versuchte sich an Kohlefilterung und brannte amerikanische Fässer aus Weißeiche aus, um dem Rum während des Reifens zusätzlichen Geschmack zu verleihen. Die Ergebnisse sollen rein, weich und körperreich gewesen sein. Von seinem Können überzeugt kaufte er eine kleine Brennerei, die er mit seiner Frau namens Dona Amalia Lucía Victoria Moreau betrieb. Im Laufe der Zeit nistete sich eine Kolonie von Fledermäusen in die Dachsparren des Gebäudes ein. Den Tieren wurde abergläubisch nachgesagt, dass sie Gesundheit brächten, das Schicksal positiv beinflussen würden und die Einigkeit begünstigen sollen. Sie waren ein gutes Omen, das zum Symbol und Logo des Rums wurde.

Don Facundo entwickelte im Zuge seiner Revolution der Rum-Destillationstechniken eine natürliche Hefeart,
die der Melasse während des Fermentationsprozesses beigemischt werden konnte. Zuvor hatte man sich beim Vergären der Melasse lediglich auf Hefesporen der Luft verlassen. Dons neue Methode versicherte hervorragende Gärprozesse ohne Verunreinigungsgefahren. Diese Hefeart wird bis heute verwendet.

Während des ersten Unabhängigkeitskrieges 1890, aus dem die Republik Cuba hervor ging, setzte die Familie Bacardi ihre Produktion fort. Don Facundos Sohn, Emilio Bacardi, wurde zum Bürgermeister von Santiago. Er gründete in New York einen Betrieb, der Flaschen für Bacardi Rum herstellte. Mit dem Beginn der Prohibition musste dieser Betrieb jedoch geschlossen werden, was einen tiefen Einschlag ins Geschäft der Firma bedeutete. Aber als die ersten durstigen, amerikanischen Touristen nach Cuba kamen, wuchs und gedieh der Gewinn wieder. Der Lockruf „Come to Cuba and bathe in Bacardi Rum” ward erhört.

1958 brachte beendete die Revolution Bacardis cubanische Tage. Mit zunehmender Macht des Fidel Castro ging letztlich das gesamte Anwesen der Familie in staatlichen Besitz über. Mit dem patentierten Rezept ihres berühmten Rums flohen die dritten und vierten Generationen der Familie nach Puerto Rico, um dort neu zu beginnen. Am 4. Februar 1862 wurde die Bacardi y Compania gegründet, die als ersten weißen Rum den Los Maestros del Ronaus hervor brachte. Als die Kubanische Regierung die beschlagnahmte ehemalige Fabrik der Familie Bacardi wieder frei gab, übernahm sie der Herseller des heutigen Rums Havana Club. Trotz allen Elends der Vertreibung machte sich die harte Arbeit der Familie auch auf Puerto Rico bezahlt. Bis heute ist die familienbetriebene und sich in privatem Besitz befindene Firma Bacardi auf dem internationalen Markt konkurrenzlos international führend.


Mount Gay

Man vermutet, dass in der auf einer Anhöhe liegenden Brutstätte des Mount Gay Rums im Norden von Barbados (St. Lucy) schon 1663 Rum hergestellt wurde. Zumindest gab es laut eines überlieferten Dokuments vom 20. Februar 1703 die nötige Ausstattung dazu: zwei Steinwindmühlen, ein Sudhauses mit sieben Kesseln, ein Heizhaus und ein Ruhehaus. Das Dokument gilt als Beleg dafür, dass Mount Gay nicht nur der älteste Rum aus Barbados, sondern auch der älteste Rum
der Welt ist.

Das einst geteilte, mehrere Brennereien beherbergende, heutige Mount Gay Grundstück, wurde im 18. Jahrhundert von dem Engländer William Sandiford zu einem Ganzen vereint. William übergab das Land seinem Sohn, der es 1747 dem englischen John Sober vermachte. John und sein Sohn Cumberbatch Sober verbrachten jedoch die meiste Zeit in ihrem Heimatland, so dass sie das Grundstück 1787 ihrem guten Freund anvertrauten: Sir John Gay Alleyne. Als dieser 1810 verstarb, benannte Cumberbatch die Plantage ihm zu ehren Mount Gay. Die Familie Sober bewirtschaftete das Land und die Brennerei dann bis 1860 selbst, bevor sie schliesslich alles verkaufte. Doch die Rumproduktion setzte sich hier ungemindert fort während die Nachfrage wuchs. Im frühen 20. Jahrhundert sah der Geschäftsmann Aubrey Ward das Potenzial der Plantage und des Betriebes. Er sorgte für moderne Standards der Anlagen, die die anhaltende Nachfrage von Mount Gay Rum durch Effizienz befriedigen sollte. Bis heute steht die Ward Familie hinter Mount Gay Rum.


Matusalem

Die Brüder Benjamin und Eduardo Camp und ihr Partner Evaristo Álvarez gründeten die Marke Matusalem 1872 in Cuba. Sie verwendeten für die Herstellung des Rums die von spanischen Sherrys und Brandys bekannte Solera-Methode. Den Namen ihres Produktes leiten sie von dem spanischen Sprichwort „Esto es mas viejo que Matusalem,“ ab, das soviel heißt, wie „Es ist älter als Methusalem.“ Damit sollte sinnbildlich der lange Reifeprozess des Rums hervorgehoben werden. Bis Fidel Castro 1959 auch diese Brennerei beschlagnamte, pflegte man sie in familiärem Besitz. Die verbliebenen Familienangehörigen flohen zunächst ins Exil, bevor sie sich in den USA niederließen. Erst in den 90er Jahren konnte der Nachkömmling aus vierter Generation, Dr. Claudio Álvarez, nach einem langen Rechtsstreit endlich die Rechte seiner Familie an der Brennerei zurück gewinnen. Er machte das Unternehmen wieder zu dem, was es einst war und heute ist. Mittlerweile kommt der Premium Rum Matusalem aus der Dominikanischen Republik, wo er nach der alten Tradition von familienintern ausgebildeten Meisterblendern im Solera-Verfahren verschnitten wird.


Weitere bekannte Marken:

Z.B. Angostura Rum (Trinidad und Tobago), Appleton Estate (Jamaika), Bologne (Guadeloupe), British Royal Navy Imperial Rum (British Virgin Islands und Südamerika), Brugal (Dominikanische Republik), Buccaneer (Montserrat), Bundaberg (Australien), Caldas Rum (Kolumbien), Calypso (Barbados), Canne Royal (Grenada), Captain Morgan (Jamaika), Champion (Haiti), Charbay (USA), Clarkes Court (Grenada), Corona White (Jamaika), Cruzan (Virgin Islands), Flor de Cana (Nicaragua), Lamb´s (England), Myers´s (Jamaika), Negrita (Martinique), Pott (Deutschland), Pusser´s Rum (Virgin Islands), Ronrico (Puerto Rico), Sea Wynde (Blend aus verschiedenen jamaikanischen und guyanischen, im Pot Still destillierten Rums), Whaler´s (USA) und White Cat Light & Dry (Aruba).


An der Bar/im Service:

Kaum eine andere Spirituose hat so viele legendäre klassische Cocktails hervorgebracht wie Rum. Ob Daiquiri, Cuba Libre, Caipirinha (mit seinem kleinen Bruder Cachaca), Mai Tai, Mojito oder Pina Colada – sie alle sind Zeitzeugen des Rums hervorragender Cocktaileignung.