Destillate aus Getreide


Aquavit

Der Name Aquavit ist die skandinavische Version des lateinischen Aqua Vitae für Wasser des Lebens. Die Spirituose ähnelt Vodka. Unterschiede liegen lediglich in den Kräuterextrakten und Gewürzen, die dem Produkt beigegeben werden, um ihm seine spezielle Note zu geben.


Geschichte:

Die Dänen streiten sich bis heute mit den Schweden darüber, welches der Länder zuerst Aquavit destillierte. Die Stichhaltigkeit der Argumente beider Seiten kann zur Annahme führen, dass die Produktion zeitgleich und unabhängig voneinander in beiden Ländern begann.

1498 vergab man in Stockholm die erste offizielle Lizenz zum Verkauf von Aquavit (auch Akvavit oder Akevit). Anfangs destillierte man das Produkt in Schweden aus Weintrauben, die auf Grund der schwierigen klimatischen Verhältnisse Schwedens aus wärmeren Ländern importiert werden mussten. Daher war Aquavit so teuer und kostbar, dass sich sein Nutzen hauptsächlich auf den medizinischen Bereich konzentrierte. Später fanden die Schweden heraus, wie sich die Spirituose auch aus Getreide destillieren ließ. Damit wurde sie günstiger, leichter zu produzieren und zu beschaffen. Doch auch Getreide war als Basis nicht ideal. Raues Wetter und früh eintretende Winter schmälerten häufig die Ernteerträge. Um Getreideknappheiten vorzubeugen, untersagte die Regierung mitunter die Destillation. Um 1700 wurde Getreide dennoch zu Mangelware. Aber die Bevölkerung ließ sich nicht davon überzeugen, dass Kartoffeln diese Lücke schließen könnten. Dabei wären Unterbrechungen der Aquavit-Versorgung inakzeptabel gewesen, zumal die Bevölkerung dieses Getränk mittlerweile als Selbstverständlichkeit verstand. So begannen die Brennereien, mit unzähligen Getreidesorten zu experimentieren. Doch zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass keine so überzeugende Ergebnisse liefern konnte wie die Kartoffel. Die Knolle wuchs reichlich, unabhängig vom Wetter, war günstig und konstant in der Qualität. Seither wird Aquavit zumeist aus Kartoffeln destilliert.

In Dänemark begann man um 1400 mit der Destillation. 1555 ernannte der König von Dänemark, Christian III, eine Brennerei als königlich. Um 1800 gab es etwa 2500 private Destillen im Land – allein 273 in Kopenhagen. Im Jahre 1923 gehörten sie alle zum 1881 gegründeten Großkonzern dänischer Brennmeister, der damit das Monopol der Produktion dieser Spirituose gewann. Seither liegt das Produktionszentrum in Aalborg (nördliches Jutland). Allerdings wurde der dänische Brennerei-Gigant 1999 von der schwedischen Firma Vin & Sprit AB aufgekauft, die auch Absolut Vodka herstellt. Heute produziert dieser sich in staatlichem Besitz befindende, schwedische Konzern die Hälfte des weltweit verkauften Aquavits.

Des Weiteren gibt es in Norwegen ebenfalls eine kleine Aquavit-Industrie, da die in Osloer Arcus Destille den geschichtsträchtigen Aquavit Linie produziert. 1805 verschiffte die Familie Lysholm ihren Aquavit versehentlich nach Australien. Als die fehlgeleitete Ware nach zweimaligem Kreuzen des Äquators endlich wieder in Norwegen war, empfanden die Lysholms ihre weit gereiste Spirituose als viel weicher und geschmacksträchtiger. Sogleich benannte die Familie ihren neuen, gereiften Aquavit Linie (norwegisch für Äquator), behielt das Geheimnis des Geschmacks aber viele Jahre unter Verschluß. Noch heute wird Linie nach dem Originalrezept dieser Familie hergestellt und auf Seereise geschickt. Viereinhalb Monate verbringt die aus Kartoffeln destillierte Spirituose damit, in Sherry Fässern vom Meer gewogen zu werden, in 35 Ländern anzulegen und zweimal den Äquator zu überschreiten. Der Name des jeweiligen Schiffes und das Datum der Reise sind auf der Rückseite eines jeden vorderen Flaschenlabels verzeichnet.


Herkunft:

Schweden, Dänemark, Norwegen


Basis:

Getreide und/oder Kartoffeln, Gewürze


Herstellungsmethode:

Die Basis für Aquavit ist sehr reiner 96prozentiger Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs und eine markenspezifische Gewürzmischung (u.a. Koriander, Fenchel, Zimt, Nelken, Dill). Den Mittellauf des Destillats, auch Würzdestillat genannt, mischt man im Aquavittrank mit neutralem Alkohol und destilliertem oder demineralisiertem Wasser. Spitzenmarken reifen anschlissend in Holz-, gelegentlich sogar Sherryfässern.


Fassart, Lagerung:

Aquavit wird entweder nicht, oder max. 12 Jahre in Eichen- oder Sherryfässern gelagert.


Charakter:

Aquavit weist zumeist vorrangig den Geschmack nach Kümmel auf, kann aber auch über Nuancen von Zimt, Madeira, Koriander, Zitrone oder Dill verfügen.


Alkoholgehalt:

38%-42% Vol. Alkohol


Marken:

z.B. Aalborg Jubiläums Aquavit, Aalborg Aquavit, O.P. Anderson, Linie, Bommerlunder, Malteser


An der Bar/im Service:

Die Mixeignung von Akvavit ist schwach. Pur trink man das Produkt eisgekühlt in gefrosteten Gläsern, wobei es in Skandinavien bei Zimmertemperatur getrunken wird.